METATOPISCH

Im Zusammenhang mit Information und Kommunikation betrachtet, ergibt sich metatopisch zunächst eine Quadratur des Raumes: der physische Raum, der Denk-Raum, der Traum-Raum und (aktuell) der Netz-Raum. Diese vier Räume bedingen und bezeichnen sich gegenseitig. Reduziert können wir von einer Polarität von Telemik und Proxemik sprechen, von der Ferne, die uns via Teletechnik nahe kommt und von einer Nähe, in der wir vielleicht lieber mehr Distanz, mehr Umraum hätten.Bei diesem Zusammenprall der Extreme ergeben sich ein Gefühls-Raum und ein kalkulierter Raum, die sich wiederum momentan erlebnismässig zu einer Atmosphäre verdichten. Raum ist eine zu Orten gestaltete Situation von kurzer oder langer Dauer, welche uns in der Unendlichkeit des Raumes einen Halt, einen Standpunkt im Zwischenraum der Dynamik des Lebens gestattet. Wir orten uns auf dem Raumschiff Erde und räumen uns in der Gesellschaft mit unseren Gedanken und unserem Handeln einen Platz ein, in dem wir uns möglichst wohl fühlen. Fügen wir dem noch eine analytische Trias bei: die white box, die blue box und die black box. Mit ihnen können wir den jeweiligen Raum klar benennen. Die white box ist all das, was gebaut ist und in irgendeiner Form um uns herum Architektur bedeutet. Die black box, das sind die Geräte, in denen eine oft komplizierte Technik von einem Gehäuse bedeckt, ihre an sie gestellten Forderungen erfüllen. Wir meinen damit vornehmlich die Medieninstrumente, prototypisch den Computer, der wie magisch seine Informationen im Verborgenen bereitstellt und bearbeitet. Die blue box, auch blue screen genannt, ist schliesslich der Raum zwischen diesen beiden anderen (black and white), wo sich diese berühren und/oder vermengen.Heutzutage ist das Interface (die blue box) der interessante Raum, der sich zu einem immateriellen Ort als Informationsraum verdichtet. Und da wir atopisch, also in ständiger Bewegung irgendwo leben, ist dieser auf den Punkt gebrachte Raum, ohne den wir eigentlich nirgendwo wären, metatopisch. Der Raum, der zwar da ist, in dem wir uns befinden, ist tatsächlich vorhanden, wir erleben ihn jedoch immer in einem gewissen Bewusstseinszustand, der ihn entsprechend definiert. Werden subatomare Strukturen untersucht, findet man immer kleinere und kleinste Teilchen oder Zustände als Basis des Universums, das sich dabei immer weiter ausdehnt. Diese Teilchen sind auch der Stoff, aus dem unser Gehirn gemacht ist. Als Neuronen und Synapsen bilden sie ein unvorstellbar komplexes Netz, dessen Strukturen unser Bewusstsein, unser Verständnis von Raum und Zeit bilden. Sind die Teilchen Wirklichkeit und Information, so kann man diese nicht voneinander trennen, sie sind metatopisch der Raum und seine Bezeichnung, der Ort, den wir bewusst erfüllen.Rücken Materie und Information so nahe zusammen, sind sie die jeweilige Wirklichkeit.

Körper und Geist sind darin die unverbrüchliche Ganzheit, die nur der Analyse oder der Beschreibung wegen gespalten erscheint. Es ergibt sich dann eine Quadratur des Kreises, der metatopisch -ständig erregt, bewegt gezogen -, neural und orbital, lokal und global uns mit der nahen und fernen Umwelt verbindet. Unsere Existenz ist das je individuelle Zentrum von einer aktuellen Peripherie umgeben. Telematisch kann die Peripherie so viele Punkte erreichen, wie die dazu verwendeten Medien es erlauben.Teilen wir traditionell Raum von Zeit, sprechen wir doch vom Unvorstellbaren, als hätten wir davon eine Ahnung. Wir glauben dann an die Ewigkeit, in ihr soll das Leben nach dem Tod weitergehen in Dimensionen, die alles Irdische sprengen. Vor Milliarden Jahren habe der big bang das Universum geschaffen. Die Zeit schreite vorwärts von der Vergangenheit in die Zukunft. Das Leben könne ideal gestaltet werden in einer Utopie, von der man heute kaum mehr spricht. Hetero-und Dystope sind andere Möglichkeiten der Raumgestaltung und des Raumerlebens. Alles geschieht im Jetzt, wenn auch dieses bereits vergangen ist, wenn wir von ihm sprechen.Sind Vorstellung und Wirklichkeit immer im Jetzt verbunden, ist die blue box als Metatopie die Situation, in der wir uns dauernd befinden. Die Verschränkung von Umwelt und apparativer und/oder medialer Präsenz, in der wir uns befinden. Der Impuls, den wir geben, verknotet mit den Reizen, die wir erhalten. Geortet, doch nicht fixiert, haltlos von Ort zu Ort mental sowie physisch bewegt, nicht ortlos zu sein. In der white box, die irgendwo im Raume, Raum zum Ort gestaltet, an dem wir uns momentan aufhalten. Begleitet von der black box, die uns vor Augen, in den Ohren Informationen in ständigem Fluss vermittelt. Oder wir vermitteln sie, so wie unsere Gedanken „always on“ sind.Jede/rist vergleichbar einer Nabe im Rad des Lebens. Den Kern bilden als Bausteine des Lebens die vier Buchstaben der Gene, die bis zur Grenze des Körpers, seinem grössten Organ, der Haut, in einer gewaltigen Interrelation seiner Bestandteile das je einmalige Wesen Mensch ergeben. Was wir tun, bedenken und/oder fühlen wir. Neural erstellen wir in Tausendstelsekunden unsere Vorstellungswelt im Abgleich mit den Gegebenheiten einer uns einbettenden Realität, die eine je lokale Situation ist. Je mehr wir unseren Radius durch Reisen erweitern, desto besser lernen wir die Welt kennen. Und je mehr wir die Medien vom Orbit her und Glasfaser gestützt einsetzen, desto mehr ist unser Bezugsrahmen die Globalität.Vollführen wir unsere Bewegungen und Expansion im Raum mit den der Zeit adäquaten Mitteln, werden wir oft an einem HUB landen. Er ist die Nabe des Globalen. In ihm werden die lokalen Zulieferer gesammelt, um in neue, grosse Destinationen umzusteigen. Wir verschieben uns als körperliches Zentrum zu den räumlichen Zentren und werden zu den Orten distribuiert, die uns erneut zu lokalem Aufenthalt bringen. Dezentriert agieren wir konzentriert, indem wir unsere Aufmerksamkeit an der Netzhaut sammeln, wo jede/r als Zentrum der Welt das Ferne in der Nähe überwacht, um seineigenes und das der anderen aktuelle Weltbild zu bedenken.

metatopisch 2005